Erst Staffelpech, dann viel Zittern und am Ende großer Jubel
Andreas Gesell, der Kugelstoßer aus Bad Weißenstadt, glänzt bei der deutschen Jugendmeisterschaft – und wird mit Bronze belohnt. Wie läuft es bei den Anderen?
Die deutschen Jugendmeisterschaften in Wattenscheid begannen für die Leichtathleten der LG Fichtelgebirge mit einer herben Enttäuschung, doch am Ende hallten Jubelstürme durch das Lohrheidestadion. Das Prozedere bei nationalen Titelkämpfen mit Warm-up-Area, Callroom und Mixed-Zone war für die teilnehmenden Sportler der LG Fichtelgebirge eine besondere Erfahrung, aber das nagelneu renovierte Stadion motivierte ungemein.
Die Hoffnung auf eine gute Platzierung in der 4-x-100-Meter-Staffel mit Ben Fürbringer, Fabian Fritsch (beide TS Selb), Andreas Gesell (TV Weißenstadt) und Luis Karl Busch (TV Wunsiedel) platze dann jedoch schon beim zweiten Wechsel, nachdem Fritsch einen fulminanten Start hinlegte und dadurch Andreas Gesell das Staffelholz knapp nicht mehr übergeben konnte. Die Enttäuschung war den vier Jungs aus dem Fichtelgebirge ins Gesicht geschrieben und alle waren ziemlich geknickt – insbesondere, weil die beiden Selber sowie Ersatzmann Felix Hermer die weite Reise ins Ruhrgebiet nur für die Staffel antraten.
Besser lief es für die Marktredwitzer Stabhochspringerin Sophie-Marie Betz. Sie meisterte die ersten drei Höhen bis 3,05 Meter souverän jeweils im ersten Versuch. Erst ihre kürzlich aufgestellte Bestleistung von 3,20 Meter waren diesmal zu hoch. Durch den erfreulichen siebten Platz in der W15 durfte sie mit zur Siegerehrung, wo sie überaus glücklich strahlte. Als Dreingabe durfte sie am zweiten Tag auch noch über 100 Meter starten, in der sie in 12,61 Sekunden eine neue Bestzeit lief, die jedoch nicht zum Einzug in einen der beiden Finalläufe reichte.
Siebter Platz im Hochsprung
Am zweiten Wettkampftag hatte auch Luis Karl Busch zwei weitere Starts. Der talentierte Mehrkämpfer startete als Außenseiter im Hochsprung der M15 mit der vorletzten Meldeleistung von 1,79 Meter. Im Wettkampf hagelte es aber bei allen Springern nur so an Fehlversuchen. Busch meisterte 1,70 Meter im ersten Versuch, 1,75 Meter im zweiten. Bei seiner Bestleistung war er bei den beiden ersten Versuchen nicht konzentriert genug, doch den dritten Sprung über diese Höhe riss er denkbar knapp. Da jedoch auch einige seiner Konkurrenten patzten und mehr Fehlversuche aufwiesen, war plötzlich die erste Überraschung da. Auf Platz sieben war im Vorfeld nicht zu hoffen.
Seinen dritten Einsatz hatte der Wunsiedler nach kurzer Pause im Kugelstoßen, wo auch LG-Kamerad Andreas Gesell am Start war. Durch eine Schulterverletzung hatte Busch in den vergangenen Wochen diese Disziplin kaum noch richtig trainieren können. Gesell war hingegen der Fünfte der Meldeliste. Dass es knapp hergehen wird, war klar, doch was sich für eine Spannung in diesen Wettkampf entwickeln sollte, war so nicht zu erwarten. Mehr und mehr Zuschauer kamen zur hinteren Haupttribüne, um diesen Wettkampf zu verfolgen.
Beide LGF-Stoßer sehr nervös
Das Einstoßen verlief für beide vielversprechend. Doch im Stadion zeigten sich beide nervös. Busch wollte in den ersten Versuchen zu viel, und beide Stöße missrieten. Für ihn stand das frühe Aus nach drei Durchgängen im Raum. Auch Gesell verpatzte den ersten Versuch, doch bereits der zweite war mit 14,26 Meter insofern beruhigend, da der für die finalen drei Stöße reichen sollte. Aber auch er zeigte technische Fehler – und es kostete Stützpunkttrainer Frank Hörl viel Mühe, die beiden in die Spur zu bringen.
Bei Busch gelang ihm das bereits im dritten Durchgang. Mit 13,70 Meter konnte er nun auf das Finale der besten Acht hoffen. Doch einer der Favoriten, Ben Krome (Lippe), konnte sich im dritten Durchgang mit 15,52 Meter auf Rang eins verbessern und verdrängte Busch auf Rang acht. Ein weiterer Medaillenkandidat, Noah Christen (Eppelheim), verpatzte allerdings auch den dritten Durchgang – und Busch war tatsächlich im Finale. Dort konnte er sich auf 14,24 Meter steigern und Rang sieben zurückerobern.
Krimi um die Medaillen
Der Krimi um die Medaillen begann jetzt erst, und Andreas Gesell mischte ab Versuch vier plötzlich mit. Mit 14,81 Meter verbesserte er sich von Rang sechs auf Rang drei. 14,88 Meter folgten im fünften Durchgang. Der Meldelisten-Zweite Ben Korsowski (Erzgebirge) kam auf die gleiche Weite, doch Gesell hatte den besseren zweiten Stoß. Gesells letzter Versuch misslang – und jetzt hieß es zittern. Korsowski hätten 14,81 Meter gereicht, dann hätte der zweitbeste Versuch zu Gunsten des Erzgebirglers entschieden. Und dessen Kugel flog ziemlich genau in diesen Weitenbereich. Beim großen Tross aus dem Fichtelgebirge wartete man gespannt auf die Weitenanzeige. 14,76 Meter – das reichte für Gesell, der völlig überraschend Bronze holte. Der Jubel kannte keine Grenzen mehr.
Bitter lief es für Sarah Poleba (TS Selb) beim Kugelstoßen der U20. Keiner ihrer drei Versuche gelang ihr. Mit 12,18 Metern blieb sie mehr als einen Meter unter ihrer Bestleistung und weitengleich mit der Achten. Polebas zweitbester Versuch war aber neun Zentimeter kürzer, und so bedeutete das das bittere Aus für Poleba auf Rang neun.
Frankenpost, den 15.07.2026
